„Betreuen Sie schon oder dokumentieren Sie noch?“

World Usability Day 2013

Jedes Jahr im Herbst tauschen sich Experten rund um den Globus über die so genannte „Gebrauchstauglichkeit“ aus. Der nunmehr neunte World Usability Day stand ganz im Zeichen der Gesundheit: „Designing for Health“, lautete denn auch das Motto der Veranstaltung in Berlin.

World Usability Day 2013 Berlin

„Betreuen Sie schon oder dokumentieren Sie noch?“ fragte Usability Expertin Dr. Christiane Rudlof in ihrem Vortrag und erklärte, dass dem Usability Engineering vor allem auch in der Sozialinformatik eine besondere Rolle zukommt.

„Steht doch für die Beschäftigten in Sozialwirtschaft und Sozialverwaltung der/die Klientin im Mittelpunkt der Arbeit. Für die fachliche Arbeit mit den Klienten soll ausreichend Zeit sein. Eine Fachsoftware soll diese Arbeit bzw. z.B. deren Dokumentation aufgabenangemessen unterstützen und nicht durch Nutzungsprobleme dazu führen, dass weniger Zeit für die Klienten bleibt.“

Fachsoftware gehe oft an den Bedürfnissen der Nutzer vorbei: Durchschnittlich 45 Prozent der entwickelten Funktionalitäten werden nicht benötigt, während ganze 30 Prozent der eigentlich benötigten Funktionen fehlen. Kontextanalyse sei deshalb oberstes Gebot. Bei der Entwicklung müsse man sich an der Praxis orientieren und nicht an den säuberlich vordefinierten Prozessen. Ihr Fazit:

„Mode macht aus Stoff Kleidung. Rezepte machen aus Nahrung Gerichte. Usability-Engineering macht aus programmierten Funktionen nutzbare Werkzeuge für den menschlichen Gebrauch.“

Um Design & Disabilites, Gestaltung und Behinderung, ging es im Vortrag von Tom Bieling vom Design Research Lab der UdK Berlin.

„Die Architektur eines Hauses trägt dazu bei, wie behindert sich ein Rollstuhlfahrer fühlt“,

sagte Bieling und ging damit der Frage nach, welcher soziale Einfluss von Gestaltung ausgeht. In seinem Projekt „Mobile Lorm Glove“ entwickelte er einen Handschuh, der Taubblinden Kommunikation ermöglicht. Der Handschuh als mobiler Simultandolmetscher wandelt das taktile Fingeralphabet für Taubblinde, das so genannte Lormen, in Text um und umgekehrt.

Die Aussteller

Neben den zahlreichen Vorträgen gab es auch in der begleitenden Fachausstellung einiges zu entdecken:

World Usability Day 2013 Berlin

SimMed, ein Gemeinschaftsprojekt der Charité Universitätsmedizin Berlin und der Agentur Archimedes ist ein an Serious Games orientiertes eLearning-Programm. An der tischgroßen Multitouch-Anwendung können Medizinstudenten per Drag and Drop virtuelle Patienten mit realen Krankheitsbildern untersuchen, medizinische Instrumente einsetzen, Laborbefunde abrufen und Therapien anstoßen.

Ein weiterer Aussteller: Pidoco. Damit lassen sich webbasiert klickbare Wireframes und UI Prototypen für Web-, Mobil- und Unternehmensanwendungen erstellen. Leicht und intuitiv zu bedienen und mit Kollaborations-Funktionen ausgestattet ist Pidoco ein hilfreiches Tool, um ohne Programmierkenntnisse schnell und einfach Prototypen zu erstellen und zu testen.

Vorträge in Berlin

Viele der Sessions vom World Usability Day in Berlin wurden aufgezeichnet und stehen online zur Verfügung. Mehr über den WUD 2013 in Berlin gibt’s darüber hinaus im Designbrief von Jan Jursa, im ZDF Blog Hyperland und bei der German UPA.

Post By Manja Baudis (162 Posts)

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